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Reiseführer Bulgarien.

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Mit dem Floß auf dem Dunajec.

Entdeckungen entlang der polnisch-slowakischen Grenze.

Es wird kühl auf dem Floß. Immer dichter rücken die Felsmassive an den Fluß heran. Kein Sonnenstrahl dringt mehr bis zu uns herab. Statt dessen weht ein frischer Wind. Bis zu 300 Meter ragen die Kalksteinwände auf beiden Seiten des Dunajec steil empor.

Mit nur 35 Kilometer Länge und 5 Kilometer Breite sind die Pieniny nicht nur eines der kleinsten Gebirge der Karpaten, sondern auch eines der schönsten. Zudem besitzen sie mit dem Dunajec und dessen Durchbruch durch die Pieniny noch eine zusätzliche einmalige Naturschönheit. Auf mehr als 17 Kilometer bildet der Dunajec außerdem die Grenze zwischen der Slowakei und Polen.

Während wir die wild-romantische Bergwelt genießen, dirigiert Pavol geschickt das Floß. Wie alle Flößer auf dem Dunajec trägt er die Tracht der Goralen, der alteingesessenen Bergbewohner der Pieniny. Vor allem für die Urlauber leben ihre Traditionen heute noch fort. Wehmütig, aber auch lebenslustig klingen die Lieder, die Pavol zum Rauschen des Flusses und der Wälder singt. Dazwischen erzählt er in gebrochenem Deutsch vom Leben auf dem Fluß.

Flößer auf dem Dunajec
Flößer auf dem Dunajec

Bereits seit Anfang des 18. Jahrhunderts wurde auf dem Dunajec geflößt. Damals allerdings noch Holz und bis an die Ostsee. Die Geburtsstunde der modernen Dunajec-Flößerei schlug erst in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Seitdem Gondek Kasper die ersten Kurgäste zwischen Smerdzonka, dem heutigen Cervený Klástor, und Szczawnica flößte, hat sich an der grundsätzlichen Konstruktionsweise der Flöße nichts mehr verändert. Jeweils vier oder fünf schmale Holzboote werden miteinander verbunden.

Pünktlich Mitte April beginnt auf dem Dunajec die Saison, die bis Ende Oktober und in besonders schönen Jahren sogar bis in den November hinein dauert. Nur wenn das Wasser auf 1,20 Meter über normal steigt, muß die Flößerei zeitweilig eingestellt werden. Doch das letzte schwere Hochwasser liegt Jahrzehnte zurück. Meistens miß der Dunajec kaum einen halben Meter. Immer wieder gleiten die Flöße deshalb leise rumpelnd über die in Jahrtausenden rundgewaschenen Steine.

Bevorzugter Abfahrtsort auf polnischer Seite ist Katy, auf slowakischer Cervený Klástor. Die meisten Gäste sind Polen beziehungsweise Slowaken, aber auch Holländer, Deutsche, Engländer und Amerikaner suchen das Erlebnis auf dem Dunajec. Nur Schade, meint Pavol, daß von den Ausländern nur wenige hinterher noch einige Tage in der Pieniny bleiben.

Die meisten lassen sich vom polnischen Szczawnica beziehungsweise slowakischen Lesnica mit Taxen abholen. Nur wenige Urlauber brechen gemeinsam mit uns auf, um von Lesnica zu Fuß auf der für Kraftfahrzeuge gesperrten Straße am Dunajec entlang zurück nach Cervený Klástor mit seinem sehenswerten Kloster zu wandern. Zuvor aber sehen wir uns noch Lesnica mit seiner gut erhaltenen hölzernen Volksarchitektur an.

Gegründet wurde Cervený Klástor, das Rote Kloster, das auch dem später entstandenen Ort seinen Namen gab, 1330 vom Orden der Kartäusermönche. Zwischendurch in weltlichem Besitz, übernahm es 1711 der Kamaldulenserorden, bevor es 1782 von Kaiser Joseph II. endgültig aufgelöst wurde. Markierte Wanderwege führen von hier unter anderem zur imposanten Felsenformation Haligovské skaly und auf den Kamm der Zentralen Pieninen.

Innenhof des Klosters Cervený Klástor
Innenhof des Klosters Cervený Klástor

Auf polnischer Seite führen markierte Wanderwege unter anderem auf den 982 Meter hohen Gipfel Drei Kronen (Trzy Korony), von dem ein weiter Ausblick für den beschwerlichen Aufstieg entschädigt. Noch beschwerlicher ist die Wanderung auf den Zamkowa Gora mit der Ruine des Pieniny-Schlosses. Noch wissen die Historiker über die höchstgelegene Burg Polens sehr wenig. Urkunden belegen aber ihre Existenz bereits im 13. Jahrhundert. Reich verzierte hölzerne Villen und ursprüngliche Goralenkaten verleihen dem traditionsreichen Badeort Szczawnica ein besonderes Gepräge.

Offiziell dürfen Ausländer zwar nicht von einer Flußseite zur anderen wechseln, doch wird es in der Regel von den polnischen und slowakischen Grenzschützern toleriert. Fast immer finden wir jemanden, der uns mit seinem Boot auf das andere Ufer übersetzt.

Veröffentlicht 1996

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